Ein Interview mit dem Abenteurer Klaus Kempe

Abenteuerliche Leben
Abenteuerliche Leben
Der folgende Interviewpartner war für uns, die Autoren von „Abenteuerliche Leben“, aus einem ganz besonderen Grund interessant. Und zwar, weil er Abenteuer vollständig anders sah, Abenteuer ganz anders definierte, als es üblicherweise getan wird. Doch bevor wir die Katze aus dem Sack lassen und die wirkliche Botschaft des „Abenteurers“ Klaus Kempe vermitteln; sei sein Leben zumindest in Stichpunkten nachvollzogen.

Rein äußerlich liest sich seine Biografie wie folgt: aus kleinen Verhältnissen stammend, Sohn eines Metzgers, wo es nach Mittelmäßigkeit roch, wo scheinbar keine Chance gegeben war, sich aus diesem Sumpf der Normalität zu erheben, gelang es diesem Mann, zu einem der gefragtesten, erfolgreichsten und bekanntesten Immobilienmakler der Bundesrepublik zu avancieren. Heute nennt er einige Firmen sein eigen, schreibt dreistellige Millionenumsätze, und er ist – und das ist vielleicht das Interessanteste, ein Profi vom Scheitel bis zur Sohle. Es wäre an dieser Stelle nun verführerisch, in der Art einer amerikanischen Tellerwäscherstory das gesamte berufliche Leben des Klaus Kempe nachzuvollziehen, doch das ist bereits an anderer Stelle getan worden.

1) Vgl. Ha. A. Mehler, Selfmademen und Millionäre, Was finanziell erfolgreiche Menschen von anderen unterscheidet, ldstein, 1992

Hier interessiert nur das Abenteuer. Und was diesen Blickpunkt anbelangt, kann man völlig neue Erkenntnisse gewinnen – wenn auch in ganz anderer Art, als man zunächst anzunehmen geneigt ist. Aber bevor wir zu sehr in die Analyse geraten, hören wir uns zunächst einmal einige abenteuerliche Begebenheiten aus dem Leben des Klaus Kempe an und füllen wir das Ganze mit Fleisch, tun wir ein wenig „Butter bei die Fische“, wie das der Volksmund so unnachahmlich gut ausdrückt.

Was also waren die Abenteuer des Klaus Kempe?

Kurz zusammengefasst:

  1. Skiabenteuer,
  2. Abenteuer mit Pferden,
  3. Abenteuer per Schiff,
  4. Abenteuer mit dem Flugzeug und
  5. finanzielle Abenteuer.

Gehen wir systematisch vor. Hören wir Klaus Kempe im 0-Ton. Und stürzen wir uns übergangslos zunächst auf die Fakten.

„Herr Kempe, was war Ihr erstes Abenteuer?“

Klaus Kempe: „Das erste Abenteuer erlebte ich im Internat. 14 Tage Skifahren waren angesagt. Wir rasten sehr, sehr steile, supersteile Pisten hinab, wo man wirklich ausgezeichnet fahren können muss. Allein wenn man hinunterblickte, hatte man sich bereits zu überwinden.“

„Wurde dabei ein unsichtbarer Druck von der Gruppe ausgeübt?“

Klaus Kempe: „Sicherlich! In der Gruppe ist immer Motivation und Ansporn gegeben. Es war eine Herausforderung. Jeder fuhr ein bisschen verrückter, als er normalerweise freiwillig Skilaufen würde. Der sportliche Ehrgeiz war angestachelt. Aber wirklich spannend wurde es erst zu einem viel späteren Zeitpunkt …“

„Greifen Sie ruhig schon einmal vor! Worum handelte es sich?“

Klaus Kempe: „Die Situation war wie folgt: Wir fuhren Ski in der Schweiz, an einem modernen Skiort. Hier gibt es ja überall sogenannte „Zeitschranken“. Im Klartext: Man kann Teilstücke mit einer Zeitschranke fahren. 70, 75 und auch 80 Stundenkilometer sind möglich. Und das ist bereits wahnsinnig viel, selbst für einen guten Skifahrer. Viele ausgezeichnete Skifahrer erreichen hier ihre Grenze. Und wenn mehrere gleichzeitig rasen, entstehen natürlich auch immer Reibereien untereinander, so dass man sich wechselseitig hochschaukelt. Wenn nur eine Person mit von der Partie ist, mit der man nicht so gut kann oder mit der man sogar im Geschäftsleben ein wenig auf Kriegsfuß steht, dann wird das manchmal besonders heiß. Also: Man muss sich die Situation ungefähr so vorstellen, wie wenn ein GTI-Fahrer und ein Porschefahrer an der Ampel stehen. Der GTI ist ein bisschen aufgemotzt, und der Fahrer hofft, dass er schneller ist als der Porsche. Dann schießt jeder los, um den anderen weit hinter sich zu lassen. Und nun zurück zum Skifahren. Hier gab es einen Kollegen, so an die 40 Jahre alt, der sich besonders herausgefordert sah. Ihm juckte das Fell, wie man so schön sagt. Dummerweise musste er sich mir gegenüber beweisen. Und dieses „beweisen“ endete damit, dass er mich wirklich auf einer Schussstrecke, bei der ich schon absolut an der Obergrenze meiner Möglichkeiten angelangt war, um jeden Preis überholen wollte. Er überholte mich also rechts, in einer affenartigen Geschwindigkeit. Kaum befand er sich vor mir, löste sich sein linker Ski. Dieser Ski schoß wie ein Spieß auf mich zu. Ich drehte den Kopf blitzschnell zur Seite. Es ging um Bruchteile von Sekunden. Hätte mich der Ski getroffen, wäre ich wahrscheinlich auf der Stelle mausetot gewesen. Trotzdem landete ich einen fürchterlichen Sturz, weil mich der Ski an der Schulter traf. Ich verlor das Gleichgewicht und donnerte auf die Piste. Gleichzeitig verlor ich meine Ski, die in alle Richtungen davonflogen. Später gab es einen Riesenbluterguss am Arm. Wenn ich also vorher nicht wenigstens gezuckt hätte, beiseite gezuckt hätte, wäre es mit mir aus gewesen. Mein Fehler: Ich hatte mich über diesen Mann geärgert. Und das ist ein ziemlicher Fehler! Denn ich sah das Ganze kommen. Ich konnte es auf mysteriöse Weise vorher wahrnehmen. Aber ich war emotional berührt. Ich lernte also auf die ganz harte Tour, auf meine innere Stimme in Zukunft zu hören. Außerdem lernte ich: wenn du dich ärgerst – vermeide jedes Risiko!

Es gibt also unnötige Abenteuer, wie auch mein Erlebnis beim Reiten…

,,Erzählen Sie…“

Klaus Kempe: „Bevor ich im Grunde richtig reiten konnte, ritt ich mit meinem Cousin einmal in Berlin durch den Grunewald. Das heißt, ich konnte noch nicht vernünftig reiten, er aber konnte blendend reiten. So ritt er in vollem Galopp mit mir durch den Grunewald, dessen Tücken ich nicht kannte. Aber ich war vom Ehrgeiz beseelt. Das Ergebnis: Unversehens blieb ich während des scharfen Ritts an einem Baum hängen. Es handelte sich um eine Situation, bei der ich ganz einfach die Kontrolle verlor. Dahinter stand wie gesagt: Ich wollte mir nicht die Blöße geben, dass ich noch nicht so gut reiten konnte. Dafür musste ich im Grunde genommen hart bezahlen. Obwohl damals nichts Gravierendes passiert ist – ich verstauchte mir nur alle Knochen und kam mit ein paar bösen Schram-men davon –, war es für mich doch eine unheimliche Lehre. Die Moral von der Geschieht“: Man darf nicht einfach jemanden nachmachen, man muss seine eigene Sicherheit und sein eigenes Tempo finden. Das lernte ich damals auf brutale Weise.“

„Es gibt also auch Abenteuer, auf die man besser verzichten sollte?“

Klaus Kempe: „Zweifellos! Aber manchmal gerät man auch unversehens hinein.“

„Wie zum Beispiel…?“

Klaus Kempe: „Bei einem meiner Schiffsabenteuer. Wir befanden uns mit einem Charterschiff auf hoher See. Es handelte sich um ein amerikanisches Schiff, das gut 10 m lang und 3,40 m breit war. Wir segelten damals durchs offene Meer. Auf dem Rückweg gerieten wir dann in den fürchterlichen Sturm. Plötzlich fing es an zu pfeifen. Der Wind nahm ständig an Kraft und Stärke zu. Und unversehens hatten wir Windstärke 11. Das ist wahnsinnig viel! Wir kämpften wie verrückt. Das Schiff kam gegen den Wind mit seinem 40-PS-Dieselmotor schließlich nicht mehr an. Es machte nur noch einen einzigen Knoten. Auf gut deutsch: Wir kamen überhaupt keinen Meter mehr vorwärts: Man konnte das Schiff auch nicht mehr drehen. Weil, wenn uns der Wind von der Seite erfasst hätte – wir versuchten das! – wäre das Schiff gekrängt, also umgefallen. Das Schiff taumelte also hilflos auf den Wellen. Sekunden gerieten zu Jahren. Viele Details bleiben mir bis heute unvergessen. Zum Beispiel: Auf dem Schiff, genauer gesagt, auf dem Vorderschiff, war ein Schlauchboot festgezurrt, das mit einem 10-PS-Außenborder bestückt war. Es stürzte plötzlich herab und hing danach hinten quer über der Reling. Mit einem Riesenseil und unter Aufbietung aller Kräfte holten wir es wieder an Bord. Unversehens schleuderte es der Wind erneut hoch. Auf einmal hing dieses Schlauchboot – es hatte einen festen Holzboden – mitten im Mast. Mit Mühe zurrten wir es schließlich fest. Plötzlich konnte man sich je-doch nicht mehr auf dem Schiff bewegen, das Schlauchboot war im Weg, es gab keinen Platz mehr. Nebenbei bemerkt: Wir hatten damals zwei Frauen und ein Kind an Bord. Sie befanden sich abgeschottet unter Bord und waren mit Schwimmwesten angetan. Alle fünf Minuten übergaben sie sich … Aber hören wir auf! Der springende Punkt war: Es war so brutal, dass wir über Stunden hinweg uns nur mit Mühe und Not durchmanövrieren konnten, bis wir schließlich in die Nähe des Hafens gelangten. Teilweise mussten wir uns dabei unter Aufbietung aller Kräfte von der Steilküste fernhalten. Das war das Schwierigste und auch Gefährlichste, weil das Schiff im Grunde nicht mehr manövrierfähig war. Eine so starke See kann man sich kaum vorstellen! Normalerweise segele ich sehr gerne. Und wenn Wind aufkommt, dann freue ich mich wie ein Schneekönig. Wir lieben die Stürme, hieß das Motto damals. Aber das war zu hart. Meine Frau war danach wochenlang krank und bestand nur noch aus purer Angst. Sie schlotterte vor Furcht. Sie beschloss, nie wieder ihren Fuß auf ein Schiff zu setzen. Seit dieser Zeit hat meine Frau tatsächlich nie wieder ein Schiff betreten.“

„Und die Moral von der Geschicht´ ?“

Klaus Kempe: „Es gibt hier keinerlei Moral. Ich werde wieder segeln. Der Kick ist: Es ist schon etwas Besonderes! Du befindest dich auf offener See, weit weg vom Land, es gibt kein Zurück mehr. Wenn ein Unwetter aufsteigt, dann weiß man, man kann jetzt nicht mal eben Mama fragen oder zur nächsten Poststation laufen. Man muss das Schiff so trimmen und so kontrollieren, dass man ein solches Wetter eben bestehen kann.“

Kommen wir zu dein nächsten und vielleicht gefährlichsten Abenteuer. Ihre Atlantiküberquerung per Flugzeug. Sogar die Zeitungen berichteten darüber Was geschah damals?“

Klaus Kempe: „Nun, zunächst kaufte ich ein Flugzeug in einer Auktion in den USA. Anschließend flog ich mit dem Flugzeug durch die USA. Mit einem Freund. Plötzlich stellten wir über Kanada fest, dass das Fahrwerk nicht mehr funktionierte! Zwölf Stunden lang flog ich also mit meinem Freund durch die Lüfte, wohl wissend, dass wir ohne Fahrwerk landen mussten! Wir mussten mithin versuchen, das Flugzeug ohne Fahrwerk heil auf den Boden zu kriegen. Kein kleines Kunststück!“

„Saß Ihnen die Angst im Nacken, als Sie wussten, Sie werden ohne Fahrwerk landen müssen? Was fühlten Sie?“

Klaus Kempe: „Im ersten Moment fühlt man auf jeden Fall eine unbändige Angst. Aber man muss sich einfach zusammenreißen. Man muss überlegen, was kannst du machen und was kann schlimmstenfalls passieren. Wir hatten damals ungefähr 400 Liter Sprit an Bord. Wenn also beim Landen etwas an der falschen Stelle beschädigt worden wäre, dann hätte es einen großen Knall gegeben, und das wäre das Ende vom Lied gewesen. Das sollte möglichst nicht passieren. Das geschieht aber sehr leicht, und vor allem passiert es eigentlich immer aus Angst, weil man überreagiert! Und in der Folge die Maschine zu stark am Boden aufsetzt oder irgend etwas anderes in der letzten Sekunde falsch macht, was man nicht mehr revidieren kann. Wenn man jedoch die Angst beiseite schiebt, kann man auch gefährliche Situationen meistern.“

„Eine interessante Erkenntnis! Kommen wir jetzt auf Ihre finanziellen Abenteuer zu sprechen! Eine Frage vorab: Sie waren mehrmals in Ihrem Leben sehr arm und sehr reich?“

Klaus Kempe: „Ein Wort zu dem Problem des sogenannten „Reichtums“: Das seltsame daran ist, dass man, selbst wenn man sehr reich ist, auch sehr viele Verpflichtungen zu tragen hat. Es gibt keine Firma, die letztendlich ohne kontinuierliche Umsätze ihren Verpflichtungen nachkommen kann. Insofern handelt es sich eigentlich nur um eine Frage der Bewertung der Aktivvermögen. Wenn die Aktivvermögen sinnvoll verkauft werden, ist jede Firma reich, kann jede Firma bezahlen. Ein Beispiel: Schon Anfang der 60er Jahre machte eine mir bekannte große Firma pleite. Hinterher, 10 Jahre später, bezahlte diese Firma jedoch alle ihre Schulden! Wenn man weiß, dass für die Konkursverwaltung und Abwicklung nur die Hälfte des Aktivkapitals damals draufging, dann kann man sich vorstellen, dass diese Firma damals das Doppelte an Werten besaß, als sie benötigt hätte beim Konkurs! Im Immobilienbereich gilt das ganz besonders. Alle Firmen, die ich analysiert habe und die in den letzten 25 Jahren pleite gegangen waren, sind nur an der laufenden Liquidität gescheitert! Nie an Immobilienwerten, die ihren Wert über 5 oder 10 Jahre beibehalten, ja steigern. Selbst die gewerkschaftseigene „Neue Heimat“, die einen der größten Immobilienskandale der Nachkriegsgeschichte inszenierte, besaß eine sehr gute Immobiliensubstanz. Sie hätte gerettet werden können! Das Problem ist immer nur, zur richtigen Zeit auf den Markt zu gehen. Deshalb ist es für jeden Kaufmann ganz klar: Liquidität ist wichtiger als Gewinn. Erst muss die Liquidität stimmen und danach natürlich der Gewinn.“

„Jetzt zu einem konkreten finanziellen Abenteuer: Stichwort: Die Finanzierung von 50 Einfamilienhäusern. Wir wissen, Sie haben sich einmal auf eine Riesengeschichte eingelassen?“

Klaus Kempe: „Ja! Die Situation war damals wie folgt: Das Problem bestand darin, bis zum Jahresende 50 Häuser im Bauherrenmodell zu verkaufen, damit bei der Abschlusssitzung im Dezember die Bauherren die Steuervorteile auch wirklich erhielten. Aber noch abenteuerlicher war, dass mir vom Treuhänder und von der Bank in einem Nebensatz vorher gesagt worden war, dass wir bei diesen 50 Wohnungen eine Ausfallbürgschaft unterschreiben sollten. „Wenn Sie hier bitte gegenzeichnen würden!“ hieß das damals lapidar. Das muss man sich vorstellen! In einem Raum von vielleicht 80 bis 100 qm mit 15, 16 Leuten: „Herr Kempe, bitte unterschreiben Sie doch die Ausfallbürgschaft!“

„Erzählen Sie die Story genauer!“

Klaus Kempe: „Also: zunächst ging es um die Finanzierung dieser 50 Wohnungen. Eine Bank hatte die Finanzierung zugesagt. Aber in letzter Sekunde sollte ich eine Ausfallbürgschaft unterzeichnen. Im Klartext: Ich hätte im Zweifelsfall finanziell für alles geradestehen müssen.
16 Banken und Experten befanden sich in dem Raum! Alles war „eigentlich“ klar. Und plötzlich, in letzter Sekunde, hieß es: „Also dann können wir die Finanzierung nicht machen, wenn Sie nicht unterschreiben!“ Der gesamte Deal drohte zu platzen! Aber die Bürgschaft hätte den ganzen Lohn und den ganzen Verdienst von mindestens einem Jahr ausgemacht. Ich hätte bankrott gehen können.“

„Ist das eine Standardmethode einiger Banken, dass sie erst die Wurst hinhängen – und wenn du danach schnappst, ziehen sie dir in der letzten Sekunde die Wurst weg?“

Klaus Kempe: „Wir wollen an dieser Stelle nicht über Bankenpraktiken reden. Aber sagen wir mal so: dergleichen geschieht natürlich. Jedenfalls gab es damals eine längere Diskussion. Eine harte Diskussion. Zwei Stunden lang. Es war echtes Abenteuer! Die Herren marschierten abwechselnd rein und raus aus dem Raum. Alles mögliche wurde diskutiert. Ich wurde unter Druck gesetzt. Jeder der Anwesenden gab seinen Senf dazu. Aber alle redeten im Grunde nur gegen einen, gegen mich, denn ich war der einzige, der unterschreiben sollte. Für die anderen schien alles glasklar: Ich sollte einfach gegenzeichnen. Schon von der Proportion her war so etwas unmöglich. 16 gegen 1. Ich musste kämpfen wie ein Löwe. Und Position halten.“

„Wie ging das Spiel aus?“

Klaus Kempe: „Nun, ich habe damals nicht unterschrieben. Trotzdem wurde das Projekt von der Bank akzeptiert. Hätte ich die Ausfallbürgschaft unterschrieben, wäre das einer Garantie für alle Kredite, die da gelaufen sind, gleichgekommen. Und es sind in der Tat 10 Bauherren damals pleite gegangen. 10 Kredite á 350.000 DM. Mit anderen Worten: 3 1/2 Millionen. Es hätte mir das Genick gebrochen.“

„Die richtige Aktion bestand also darin, nicht zu unterschreiben und dem Druck der Gruppe standzuhalten. Man hat Sie ganz gezielt dem Druck dieser Gruppe ausgesetzt, so dass Sie sozusagen Ihr Gesicht verlieren sollten. Die Banken rechneten mit diesem „psychologischen Moment“. Kommen wir nun zu einem anderen Beispiel! Können Sie uns ein weiteres Abenteuer im geschäftlichen Bereich erzählen, das Sie bestanden haben?“

Klaus Kempe: „Ja, eines bestand ich 1973. Als ich also anfing und gerade einige Jahre selbstständig war. Die Branche geriet damals in eine ziemliche Immobilienkrise. Zwischenfinanzierungen wurden nötig. Und alle möglichen Bauträger gingen pleite. Ich besaß fünf Zweigstellen zu dieser Zeit, die ich plötzlich nicht mehr halten konnte, weil sie nicht die Umsätze tätigten, die nötig gewesen wären. Ich musste also erst einmal für jede einzelne Zweigstelle die Entscheidung treffen: verkaufen, auflösen oder was? Nun, zu guter Letzt verkaufte ich die Kempe-Immobilien in Essen und in Köln. Andere Zweigniederlassungen wurden geschlossen. Im Nachhinein gesehen waren diese Entscheidungen vollständig korrekt, weil ich andernfalls mindestens zwei Jahre lang eine Riesenmannschaft hätte durchfüttern müssen. Und Reserven existierten damals nicht. Darüber hinaus musste ich Personalentlassungen in die Wege leiten. Und die Leute pilgerten vors Arbeitsgericht. Für solche Situationen gibt es wenig Anerkennung. Aber ein Unternehmer muss solche Situationen abfedern können.“

„Die andere Alternative heißt bankrott?“

Klaus Kempe: „Richtig! Nach diesen Entscheidungen konnte ich meine Rechnungen bezahlen und alles sauber abwickeln. Das Interessante, das Gefährliche und das Abenteuerliche war also das Zurückfahren! „Das macht man nicht“, heißt es. Aber die Lösung, die richtige Lösung lautet manchmal eben doch, wieder kleiner zu werden. Obwohl das Image es geboten hätte, es nicht zu tun. Man musste also manchmal auch über seinen Image-Schatten springen können!“

„Was kann man konkret daraus lernen?“

Klaus Kempe: „Ich glaube, als Unternehmer muss man solche Situationen öfters meistern können. Wenn man das nicht vermag, befindet man sich in einer ganz, ganz großen Gefahr. Denn wenn man den Rentabilitätsgesichtspunkt nicht in den Vordergrund stellt und ein Geschäft zu lange weiterfährt, obwohl sich das Ganze nicht mehr rechnet, gelangt man irgendwann an den Punkt, da man nicht mehr handlungsfähig ist. Und dann nehmen die Dinge ihren Lauf, den man von einem bestimmten Zeitpunkt an nicht mehr aufzuhalten vermag. Man gerät bis zum Hals in die Krise. Und plötzlich ist eine Firma nicht mehr zu retten. Das habe ich bei vielen Unternehmen beobachtet. Wenn die Rentabilität nicht stimmt, die ja als Anforderung an ein Unternehmen immer an erster Stelle zu stehen hat, und zwar Rentabilität wirklich in dem Sinne von Cashflow, verliert man! Erstens müssen genügend Finanzmittel, sprich Liquidität und zweitens Gewinne vorhanden sein. Wenn eine Firma Rücklagen besitzt, dann kann sie auch eine Krise überstehen. Wenn sie aber nicht vorhanden sind, dann muss sehr schnell gehandelt werden. Ob falsch oder richtig, spielt fast keine Rolle mehr. Wer nicht in der Lage ist, sofort zu handeln, der wird einfach überholt. Der ist nach kürzester Zeit platt. Schon nach einigen wenigen Monaten ist eine zögerliche Haltung manchmal nicht mehr wettzumachen. In solchen Fällen wird aus Imagegründen eine Firma gehalten, eine Fassade wird gehalten, aber die Firma kommt im Grunde nie wieder in die Schuhe oder aus ihren Problemen heraus.“

„Hieraus kann man eine Menge lernen! Aber gestatten Sie, dass wir nun der „Philosophie“ hinter dem Abenteuer zu Leibe rücken. Herr Kempe, was bedeutet für Sie Abenteuer im Grundsatz?“

Klaus Kempe: „Abenteuer bedeutet, eine unerwartete Situation zu meistern. Eine Situation, mit der man nicht gerechnet hat. Es bedeutet weiter, die eigene Unsicherheit zu überwinden. Angst zu überwinden. Einer Sache ins Auge zu blicken, obwohl man auch die Möglichkeit besäße, einfach davonzulaufen. Statt dessen zieht man es vor, stehen zu bleiben und sich die Sache anzuschauen. Und sie irgendwie zu schaukeln.“

„Haben Sie Abenteuer aktiv in Ihrem Leben gesucht?“

Klaus Kempe: „Nein! Aber seien wir präziser: ich wollte kein langweiliges Leben leben. Ich wollte mich nicht vor dem Leben zurückziehen. Es hat mich stets interessiert, immer wieder etwas Neues zu entdecken. Und etwas Neues zu erleben. Fasziniert hat es mich auch, an Bereichen zu riechen, die mich wirklich fordern. Aber es gibt eine Grenze! Mein Bruder ist ein Beispiel hierfür: er ging stets etwas weiter als diese Grenze. Vor ihm liegt etwa eine Kurve, die man so eben noch mit 80 km/Stunde nehmen könnte. Mit dem entsprechenden Wagen. Er versuchte jedoch, stets 85 km/Stunde zu fahren. Und so hat es bei ihm natürlich am Schluss geknallt. Man muss somit lernen, dass es irgendwo Grenzen gibt. Und dass man diese besser nicht überschreitet. Auf der anderen Seite muss man ruhig die Grenzen, die es gibt, herausfinden. Und genau das hat mich stets interessiert. Denn es hat mich persönlich gefordert. Ich wollte nie auf nur drei Pötten laufen, wie man so schön sagt. Ich wollte auf vier Zylindern laufen. Und ich wollte auch stets Vollgas geben, um meine Grenzen zu erkunden.“

„Wie weit sollte man gehen? Wie weit darf man gehen?“

Klaus Kempe: „Wie weit man gehen darf, muss jeder für sich selbst entscheiden. Man muss immer persönlich beurteilen, wie viel oder wieweit man voranpreschen sollte. Das Maß ist sehr, sehr individuell. Wie gesagt, ich habe von meinem Bruder gesprochen, der sich mit 29 Jahren letztendlich ums Leben brachte. Er fing sich eine Hirnhautentzündung in Kenia ein, wurde überstürzt zurückgeholt und starb auf dem Rückflug. Er ging stets einen Schritt zu weit. Es gibt also ein rechtes Maß. Die Regel gilt: Was man wirklich will, ist auch das, was für die eigene Person richtig ist. Ich glaube nicht, dass eine andere Person für einen selbst beurteilen kann, was korrekt ist und was falsch ist. Ich halte das nicht für eine richtige Antwort. Wenn eine Person urteilt: „Das genau ist mein Maß!“, dann ist das vollständig in Ordnung.
Die Person selbst muss schließlich damit leben. Und am Ende sagen, sie war damit zufrieden oder nicht.“

„Wie besteht man am besten Abenteuer?“

Klaus Kempe: „Na ja, im Grunde geht es darum, die Nerven zu behalten. Ich pilgerte einmal ein dreiviertel Jahr lang ungefähr jeden zweiten Tag in die Spielbank.
Mit einem relativ einfachen System gewann ich ständig Geld! Das Glück nahm genau dann sein Ende, als ich nicht mehr die Nerven behielt, als ich merkte, dass ich unruhig wurde. Da wusste ich genau, jetzt fängst du an zu verlieren. Was dann natürlich auch passierte. Und das ist exakt der Punkt. Solange du dich beherrschen kannst, gewinnst du. In extremen Situationen, die mir schon öfter passiert sind, kommt es also eigentlich nur darauf an, ruhig zu bleiben. Wenn es kein Zurück mehr gibt, musst du eigentlich noch ruhiger werden. Du musst wirklich, sagen wir mal, wach werden und zu dir selbst sagen:
„Ok! Das war es jetzt! Jetzt gehst du da durch! Ende! Schluss! Aus!“ Und dann werden all die Aktionen unternommen, die notwendig sind. Noch einmal: Du musst ruhig bleiben. In diesem Augenblick existiert auch keine Angst mehr. Du fängst an, die notwendigen Aktionen einfach zu tun. Und tust es dann einfach.“

„Wir denken, das ist eine fabelhafte Botschaft! Schöner könnte man ein Interview nicht beenden! Vielen Dank, Herr Kempe!“


Dieses Interview wurde von Ha. A. Mehler und Dieter König durchgeführt, und kann im Buch „Abenteuerliche Leben“ im Möwe Verlag nachgelesen werden.

Wie immer hoffe ich das diese Geschichte, bzw. in diesem Fall meine Abenteuer in meinem Leben, Dir gefallen haben. Vielleicht spornen diese Abenteuer den einen oder anderen auch an, seine eigene Abenteuer zu erleben. Das würde mich sehr freuen!

Herzlichst,

Dein Klaus
Immobilienkaufmann aus Leidenschaft

P.S.: Falls Du Fragen oder Anmerkungen zu meinen Abenteuern hast (oder generell zu meinem Blog), stehe ich Dir gerne jederzeit zur Verfügung.

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Klaus Kempe
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